Die Geschichte Marokkos reicht von den Amazigh (Berbern) über Phönizier, Karthago und Rom bis zu den großen islamischen Dynastien. Aus Idrisiden, Almoraviden, Almohaden, Meriniden, Saadiern und den bis heute regierenden Alaouiten formte sich das Land, dessen Bauwerke die Epochen bis in die Gegenwart erzählen.
Fragen, die diese Seite beantwortet:
- Wer waren die Ureinwohner Marokkos?
- Antike: Phönizier, Karthago und Rom in Volubilis
- Wie kam der Islam nach Marokko?
- Welche großen Dynastien prägten das Land?
- Wer sind die Alaouiten bis heute?
- Karawanenhandel und die Blütezeiten
- Protektorat und Unabhängigkeit 1956
- Wo lässt sich Geschichte heute erleben?
Wer waren die Ureinwohner Marokkos (Amazigh/Berber)?
Die Urbevölkerung Marokkos sind die Amazigh, im Deutschen meist Berber genannt. Sie besiedelten Nordafrika lange vor der Ankunft anderer Völker und bilden bis heute das kulturelle Fundament des Landes. Der Name Amazigh bedeutet sinngemäß „freie Menschen“, und die Selbstbezeichnung verweist auf eine eigenständige Sprache, das Tamazight, das heute neben dem Arabischen offizielle Landessprache ist.
Die Amazigh lebten in Stämmen, die vom Rif-Gebirge über den Hohen Atlas bis an den Rand der Sahara verteilt waren. Sie betrieben Ackerbau in den Tälern, hielten Vieh und kontrollierten die Gebirgspässe. Ihre Fähigkeit, sich in Hochgebirge und Wüste zu behaupten, machte sie über die Jahrhunderte zum Rückgrat aller Reiche, die auf marokkanischem Boden entstanden. Fast alle großen Herrscherhäuser des Mittelalters gingen aus Amazigh-Stämmen hervor, und ihre Handwerks-, Teppich- und Musiktraditionen prägen die Kultur des Landes bis heute.
Antike: Phönizier, Karthago und Rom (Volubilis)?
Die ersten fremden Besucher kamen über das Meer. Bereits im ersten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung gründeten Phönizier und später deren Nachfolger aus Karthago Handelsposten entlang der Atlantik- und Mittelmeerküste. Orte wie Lixus, Mogador (das heutige Essaouira) und Tingis (Tanger) wurden zu Umschlagplätzen für Purpur, Salzfisch und Metalle. Die Küstenposten verbanden Marokko früh mit dem gesamten Mittelmeerraum, ohne dass die Berber-Stämme im Landesinneren ihre Unabhängigkeit verloren.
Nach dem Untergang Karthagos rückten die Römer nach. Sie kontrollierten den Norden des heutigen Marokko und richteten die Provinz Mauretania Tingitana mit dem Verwaltungszentrum Tingis ein. Herzstück dieser Epoche ist die Ruinenstadt Volubilis am Fuß des Zerhoun-Gebirges: Mit ihren Triumphbögen, Kapitolstempeln, Ölmühlen und den berühmten farbigen Mosaiken zeigt sie, wie eine römische Provinzstadt am Rand des Imperiums funktionierte. Volubilis war ein Zentrum der Olivenöl- und Getreideproduktion und blieb auch nach dem Rückzug Roms lange bewohnt. Wer die Anlage besucht, sollte den Ausgrabungen von Volubilis Zeit widmen, denn kaum ein Ort macht die Antike Marokkos so greifbar.
Ankunft des Islam und die Idrisiden?
Der Islam erreichte Marokko im Zuge der arabisch-islamischen Ausbreitung ab dem 7. und 8. Jahrhundert. Von Osten kommend brachten arabische Heere die neue Religion nach Nordafrika, wo sie sich bei den Amazigh nach und nach durchsetzte. Damit begann die tiefgreifendste kulturelle Veränderung der marokkanischen Geschichte: Arabisch wurde zur Sprache von Religion, Verwaltung und Gelehrsamkeit, ohne dass die Berbersprachen verschwanden.
Am Ende des 8. Jahrhunderts gründete Idris I. die Idrisiden-Dynastie, das erste eigenständige islamische Reich auf marokkanischem Boden. Sein Sohn Idris II. baute Fès zur Hauptstadt und zum geistigen Zentrum aus. Die Stadt entwickelte sich zu einem Anziehungspunkt für Gelehrte und Händler; hier entstand mit der Qarawiyin eine der ältesten durchgehend betriebenen Lehrstätten der islamischen Welt. Fès blieb über viele Jahrhunderte das religiöse und intellektuelle Herz Marokkos. Wer die verwinkelte Altstadt von Fès durchstreift, bewegt sich buchstäblich durch die Frühzeit des islamischen Marokko.
Die großen Dynastien (Almoraviden, Almohaden, Meriniden, Saadier)?
Auf die Idrisiden folgten mehrere mächtige Berber-Dynastien, die Marokko zu einer Großmacht zwischen Afrika und Europa machten. Ihre Bauwerke gehören heute zu den bekanntesten Wahrzeichen des Landes.
Die Almoraviden gründeten im 11. Jahrhundert Marrakesch, das zur Hauptstadt eines Reiches wurde, das sich von der Sahara bis nach Spanien erstreckte. Auf sie folgten im 12. Jahrhundert die Almohaden, unter denen das Reich seine größte Blüte erlebte. Aus dieser Zeit stammen einige der berühmtesten Minarette der islamischen Welt, deren Bauform sich in der Koutoubia von Marrakesch, der Giralda im spanischen Sevilla und dem unvollendeten Hassan-Turm in Rabat wiederfindet. Die Rote Stadt Marrakesch verdankt dieser Epoche ihr unverwechselbares Gesicht.
Die Meriniden lösten die Almohaden ab und verlegten den Schwerpunkt wieder nach Fès. Sie sind vor allem für ihre Medersen bekannt, prächtig verzierte Koranschulen mit fein geschnitztem Zedernholz, Stuckarbeiten und Zellij-Mosaiken, die zu den Höhepunkten islamischer Baukunst zählen. Im 16. Jahrhundert kamen die Saadier an die Macht, die den lukrativen Handel mit Zucker aus den Wüstenoasen und Gold aus Westafrika kontrollierten und damit großen Reichtum anhäuften. Von ihrer Pracht zeugen bis heute die kunstvoll ausgestatteten Saadier-Gräber in Marrakesch, die erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt wurden.
Die Alaouiten bis heute?
Die bis heute regierende Dynastie sind die Alaouiten, die ab dem 17. Jahrhundert die Macht übernahmen. Sie einten das Land nach einer Phase der Zersplitterung und legten die Grundlage für das moderne Marokko. Eine Schlüsselfigur dieser Frühzeit ist Sultan Moulay Ismail, der Meknès zu seiner Residenzstadt ausbaute. Mit monumentalen Toren, kilometerlangen Mauern, gewaltigen Speicherbauten und weitläufigen Stallungen schuf er eine Machtdemonstration, die Meknès den Beinamen einer marokkanischen Residenzstadt eintrug.
Die Alaouiten überstanden die Kolonialzeit und führten Marokko in die Unabhängigkeit. Auf König Mohammed V., der zur Symbolfigur der Unabhängigkeitsbewegung wurde, folgten sein Sohn Hassan II. und seit 1999 dessen Sohn Mohammed VI. Heute ist Marokko eine konstitutionelle Monarchie, in der der König als Staatsoberhaupt und geistliche Autorität eine zentrale Rolle spielt, während Parlament und Regierung die Tagespolitik gestalten.
Karawanenhandel und die Blütezeiten?
Ein Motor des marokkanischen Aufstiegs war über Jahrhunderte der transsaharische Karawanenhandel. Von Städten wie Sijilmassa am Rand der Wüste zogen Kamelkarawanen quer durch die Sahara nach Westafrika. Sie brachten Salz, Stoffe und Handwerkswaren nach Süden und kehrten mit Gold, Elfenbein und weiteren Gütern zurück. Dieser Handel machte die Herrscherhäuser reich und verband Marokko mit den Reichen südlich der Sahara.
Der Reichtum aus dem Fernhandel finanzierte die großen Bauprojekte: Moscheen, Medersen, Paläste und befestigte Städte. Die Blütezeiten unter Almohaden und Saadiern fielen mit einer starken Stellung im Karawanennetz zusammen. Handelsstädte wie Fès und Marrakesch wurden zu Zentren von Handwerk, Wissenschaft und Kunst, in denen sich arabische, berberische und andalusische Einflüsse vermischten. Diese kulturelle Vielfalt prägt die marokkanische Kultur mit ihrer Architektur, Musik und Küche bis in die Gegenwart.
Protektorat und Unabhängigkeit 1956?
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts geriet Marokko in den Sog europäischer Machtinteressen. Ab 1912 wurde das Land als französisch-spanisches Protektorat aufgeteilt: Frankreich übernahm den größten Teil, Spanien den Norden rund um das Rif sowie Gebiete im Süden. Frankreich richtete eine Verwaltung unter einem Generalresidenten ein (Résidence), während der Sultan formal im Amt blieb. In dieser Zeit wurde Casablanca zum modernen Wirtschafts- und Hafenzentrum ausgebaut, und neue Verwaltungsstädte entstanden neben den historischen Medinas.
Der Wunsch nach Selbstbestimmung wuchs jedoch stetig. Eine breite Unabhängigkeitsbewegung, getragen von nationalen Kräften und dem Königshaus, führte schließlich zum Ziel: 1956 wurde Marokko unter Mohammed V. unabhängig. Die Rückkehr des zeitweise ins Exil geschickten Sultans und die Erlangung der Souveränität gelten als Geburtsstunde des modernen marokkanischen Staates. In den folgenden Jahrzehnten festigten die Alaouiten die staatlichen Institutionen und führten das Land in seine heutige Form als konstitutionelle Monarchie.
Geschichte erleben: Stätten und Städte?
Kaum ein Reiseland macht seine Geschichte so unmittelbar erlebbar wie Marokko. In Volubilis spaziert man durch eine römische Provinzstadt mit erhaltenen Mosaiken und Triumphbögen. In Fès verdichtet sich das islamische Mittelalter in einer der größten bewohnten mittelalterlichen Altstädte der Welt mit ihren Medersen und der ehrwürdigen Qarawiyin. Marrakesch vereint Almoraviden-Gründung, Almohaden-Minarett (Koutoubia) und die prunkvollen Saadier-Gräber auf engem Raum.
In Meknès zeugen die Tore und Mauern von der Machtentfaltung der frühen Alaouiten, in Rabat steht der Hassan-Turm als eindrucksvolles almohadisches Fragment. Wer diese Orte in ihrer chronologischen Reihenfolge besucht, erlebt die gesamte Geschichte Marokkos wie ein aufgeschlagenes Buch. Einen Überblick über die wichtigsten historischen Ziele bietet die Seite Sehenswürdigkeiten.
Tipp: Planen Sie eine Reise entlang der historischen Achse Fès–Meknès–Volubilis. Die drei Orte liegen nah beieinander und verbinden Antike, islamisches Mittelalter und Alaouiten-Zeit an einem einzigen Tag. Für Volubilis empfiehlt sich der frühe Morgen oder der späte Nachmittag, wenn das Licht die Mosaiken und Säulen besonders schön zeichnet.
Wer waren die Ureinwohner Marokkos?
Die Ureinwohner sind die Amazigh, im Deutschen als Berber bezeichnet. Sie besiedelten Nordafrika lange vor allen anderen Völkern, sprechen bis heute Tamazight und bildeten das Fundament fast aller historischen Reiche des Landes.
Welche Dynastie regiert Marokko heute?
Marokko wird seit dem 17. Jahrhundert von den Alaouiten regiert. Heute ist es eine konstitutionelle Monarchie unter König Mohammed VI., der seit 1999 amtiert und auf Mohammed V. und Hassan II. folgte.
Wann wurde Marokko unabhängig?
Marokko erlangte 1956 unter Mohammed V. seine Unabhängigkeit und beendete damit das seit 1912 bestehende französisch-spanische Protektorat.
Wo kann man die römische Vergangenheit Marokkos sehen?
Am besten in der Ruinenstadt Volubilis nahe Meknès, dem bedeutendsten römischen Fundort des Landes, mit gut erhaltenen Mosaiken, Tempeln und Triumphbögen aus der Provinz Mauretania Tingitana.
Lust, die Geschichte Marokkos selbst zu erleben? Entdecken Sie die historischen Höhepunkte des Landes auf unserer Übersicht der Sehenswürdigkeiten, tauchen Sie in die Kaiserstädte Fès und Marrakesch ein und lernen Sie in unserem Bereich Kultur, wie die Jahrhunderte das heutige Marokko geformt haben.
